SOLO

Fünfzig Jahre saß der Komponist und Pianist Peter Ludwig improvisierend,  begleitend und konzertierend am Flügel. Jetzt begibt er sich auf seine Abschieds – Tournee.

In seiner Kindheit drangen Mozart, Beethoven und Schubert in den Nächten durch dünne Wände in seinen beginnenden Schlaf. Hier begann sein Weg.

In den Achtundsechzigern flutete er mit seiner Hammond-Orgel Clubs und Rock-Festivals mit anarchistischer Musik. 

Bei einem Band-Wettbewerb gewann er mit einer „Eigenkomposition“, so die Jury, den ersten Preis, was ihn maßlos empörte. Damals war eine Komposition in diesem Genre noch eine Amtsanmaßung.

Der Zufall legte ihm Jahre später argentinische Tangos auf den Plattenteller. Die Essenz dieser Musik war ihm vertraut. Unvergessen aus der Kinderzeit. Er komponierte seine ersten Tangos. Den letzten erst vor wenigen Jahren.

Lange Zeit als Improvisateur und mit verschiedensten Ensembles unterwegs gewesen, fasste er letztes Jahr den Plan, noch einmal als Solist mit seinen Kompositionen aufzutreten. Auf seiner Abschieds-Tournee wird er seine Tangos, seine Preludes und anderes wildes Zeug spielen.

Aber es gibt dabei einen fundamentalen Unterschied: Bei Konzerten mit seinen Ensembles lagen immer Noten auf seinem Flügel. Jahrzehnte. Jetzt legt er sie beiseite. 

Alle Pianist:innen, die er so bewundert, spielen ohne Noten. Martha Argerich, Bill Evans, Roberto Firpo, Polina Osetinskaya oder Lennie Tristano. Zu hoch gegriffen? Nein. Nur der Traum von Fliegen, den Absturz im Blick.